KOPFTUCHMÄDCHEN
"Leben zwischen Humor und Halal. Warum wird man als Deutsche freiwillig ein Kopftuchmädchen? Und warum zur Hölle bleibt man eins? Hier erzählt Anissa Loucif witzig, bissig und pointiert über ihr Leben als Muslima, Ärztin und Mutter. Die Comedienne bietet nicht nur tiefe persönliche Einblicke in ihren Alltag zwischen Humor und Halal, sondern ist dabei auch Sprachrohr für eine ganze Generation – mit einer inspirierenden Lektion in Selbstverwirklichung." (Heyne Verlag)
»Anissa ist Mutter, Muslima, Medizinerin und Comedienne - diese Kombi enttäuscht weder bei ihrer Comedy noch bei ihrem Buch!« CAROLIN KEBEKUS
Ich maße mir an zu sagen: Ich habe einen gewissen Outlaw- Status. Trotz ärztlicher Approbation, diverser Fernsehauftritte und deutschem Pass: In Deutschland bin ich ein Kopftuchmädchen. Und das Kopftuch ist das kriminellste Kleidungsstück Europas. Es hat den Bikini und den Minirock endgültig als Skandal- Klamotte überholt. Wurde man in den 1950ern aus Schwimmbädern geworfen, wenn man einen Bikini trug, so wurde ich 2019 aus dem Pool geschmissen, weil ich einen Burkini trug. Die Kleiderordnung empfinde ich als Kopftuch tragende Deutsche als schwer nachvollziehbar: Privat darf ich es tragen. Aber nicht als Mitarbeitende im Krankenhaus. Oder im Sport. Oder im Schwimmbad. Oder als Schülerin in der Schule.. Oder als Lehrerin. Oder als Putzfrau ... obwohl, nee, das geht.
Dieser Umstand, den ich auch gerne als Hijab- Shaming bezeichne, lässt mich manchmal verzweifeln. Aber auch viel lachen. Und deshalb möchte ich euch auf eine Reise mitnehmen. Ich möchte herausfinden, warum ich als Frau ohne kriminelle Vorgeschichte Staatsfeind Nummer eins bin – aber immer noch keine Doku von mir auf Netflix läuft. Warum ich ständig das Gesetz zu brechen scheine – aber weniger respektiert werde als Pablo Escobar. Warum ich so gefährlich bin – obwohl das einzige, womit ich bewaffnet bin, eine Stecknadel ist. Und warum das gerade deshalb triggert, weil ich nicht mit Kopftuch zu Hause sitze – sondern als Ärztin tätig bin und als Comedienne auf Bühnen spreche. Weil ich eben nicht dem Klischee der unterdrückten Muslima entspreche.